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Dass Handlungsbedarf vor Ort in der Siedlung am Lerchenauer See notwendig ist, ist seit langem bekannt: schon 2014 hat das Regionale Netzwerk für soziale Arbeit in München (REGSAM) in einer Analyse festgestellt, dass die Anwohner*innen in der Siedlung am Lerchenauer See einen Ort zum Austausch brauchen, einen Ort, an dem die Anwohnenden unterstützt werden. Seit 2018 sind im Auftrag der Diakonie Hasenbergl zwei Quartiersmanagerinnen vor Ort, die erfolgreich in  den beiden Schwerpunktbereichen „Seniorenhilfe“ und „Stadtteilarbeit“ mit den Bewohner*innen in Kontakt getreten sind. Gemeinsam mit den Anwohnenden ist es gelungen, die Siedlung lebendiger zu gestalten, Veranstaltungen und Projektgruppen wurden ins Leben gerufen, Menschen vor Ort miteinander vernetzt.

Gemeinsam Nachbarschaft entwickeln – und leben

Gemeinsam Nachbarschaft entwickeln, das stand im Mittelpunkt des ambitionierten und bis dahin einzigartigen Demokratieprojekts, dessen erster Veranstaltungsteil bereits im vergangenen Oktober erfolgreich durchgeführt werden konnte. „Wie machen wir unser Viertel wieder lebendig?“ lautete die Frage, der 13 aktive Mitgestalter*innen aus der Siedlung in zwei Workshop-Tagen auf den Grund gegangen sind. Gemeinsam haben sie Ideen für eine lebenswerte Nachbarschaft gesammelt und bereits viele Projekte erfolgreich angestoßen. „Vor Ort ist kaum eine Infrastruktur vorhanden“, fasst Quartiersmanagerin Selen Schaeffer zusammen. „Die Anwohnerinnen und Anwohner haben aber natürlich in ihrem Stadtbezirk Wünsche und Bedürfnisse. Sie möchten sich zum Beispiel einmal auf einen Kaffee treffen, sich austauschen oder sportlich aktiv sein. Vor Ort gibt es aber wenig, weshalb die Menschen in umliegende Stadtteile fahren. Das ist schade, weil dadurch Potentiale der Siedlung, wie der See, nicht genutzt werden“.

Im Workshop wurden deshalb mit Unterstützung externer Moderator*innen des Vereins Dynamic Facilitation e.V. die Ideen und die Motivation der Anwohner*innen gebündelt. „Wir wollten die Menschen in der Siedlung für ihr nachbarschaftliches Engagement noch stärker aktivieren und sie unterstützen, eine ‚Gestalterrolle‘ einzunehmen“. Sarah Ehrenstein ist seit drei Jahren für den Schwerpunktbereich Seniorenarbeit als im Quartier anzutreffen und weiß:  „Die Siedlung bietet einige Potentiale, die Lage am See ist nur eines. Auch die kulturelle Vielfalt und die  Motivation vieler Anwohner*innen, etwas zu ändern und eine lebendige Nachbarschaft zu erhalten, zählen dazu“.

Vier Schwerpunktthemen haben die 13 Bürgerrät*innen nicht nur erarbeitet, sondern bringen sich auch aktiv bei der Umsetzung mit ein. Zu den Themen zählen: ein Bürger*innenzentrum, ein Vermittlungsbüro für verschiedene Anliegen, Angebote für alle Anwohnenden sowie die Gestaltung des Viertels. „Zu spüren, dass sie selbst an der Umgestaltung ihres Viertels mitwirken können, hat unsere Bürgerrät*innen sehr bewegt und motiviert“, erzählt Selen Schaeffer. Dabei sind die 13 Bürgerrät*innen nicht allein im Viertel aktiv: Über die verschiedenen Projektgruppen engagieren sich in der Siedlung bis zu 50 ehrenamtliche Mitmacher*innen.

„Durch die intensive Arbeit in den Workshops sind Bindungen zwischen den Menschen entstanden, die es vorher nicht gab“, informiert Cordula Riener-Tiefenthaler. Sie hat den Workshop mit einer neuen Methode, der Dynamic Facilitation, moderiert. „ Dynamic Facilitation bietet Raum für Ideen, erzählt sie. „Die Teilnehmer*innen können ihrer Energie freien Lauf lassen. Das setzt eine unglaubliche Energie und Motivation frei, zu wissen, dass man gemeinsam etwas bewegen kann“, erzählt sie.  Im Bürgercafé am kommenden Sonntag berichten die Bürgerrät*innen nicht nur von ihren Erfahrungen, sondern es geht auch um eine Weiterentwicklung der Ideen: „Je mehr wir sind, desto mehr können wir auch bewegen. Deshalb freuen wir uns, wenn wir am 13. Juni noch mehr Menschen zum Mitmachen bewegen können“, hofft Selen Schaeffer.

Das Bürgercafé findet am 13. Juni 2021 ab 11.00 Uhr auf der Wiese vor der Kapernaumkirche statt. Aufgrund der aktuellen Infektionsschutzmaßnahmen ist für alle Interessierte eine vorherige Anmeldung per E-Mail an info@wiramlerchenauersee.de oder telefonisch unter   089 452 235-159 oder -160 erwünscht.