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07. März 2019 | "Frauen müssen keine männlichen Eigenschaften besitzen, um als kompetente Führungskräfte zu gelten!"

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Stimmen zum Internationalen Frauentag am 8. März 2019 - Selen Gürler über die Rolle der Frauen bei der Integration

Frauen in aller Welt begehen am 8. März den Internationalen Frauentag. Sie fordern seit mehr als 100 Jahren an diesem Tag Gleichberechtigung und machen aufmerksam auf die nach wie vor herrschende Gewalt gegen Frauen. 2019 leben Frauen in einer Zeit von gesetzlicher Frauenquote und einer Bundeskanzlerin, aber auch in Zeiten von #MeToo-Debatten und Gender Pay Gap. Sie sind im Arbeitsleben nach wie vor gegenüber Männern benachteiligt. Frauen in sozialen Berufen sind keine Seltenheit: In der Diakonie Hasenbergl e.V. ist der Anteil an weiblichen Beschäftigten besonders hoch, u.a. 94,29 % in den Kindertageseinrichtungen und 86,36% in der Geschäftsstelle am Stanigplatz (Stand: 09.2017).

Eine von ihnen ist Selen Gürler. Sie leitet den Fachbereich Stadtteilarbeit sowie die Projekte CUPID und DiNo-Kids in der Diakonie Hasenbergl. Und sie ist die einzige weibliche Führungskraft mit muslimischen Hintergrund in der Diakonie im Münchner Norden. „Frauen müssen keine männlichen Eigenschaften besitzen, um als kompetente Führungskräfte zu gelten, sie müssen dafür ihre weibliche Natur nicht verleugnen“, sagt sie.
Im Interview spricht Selen Gürler über die Rolle von Frauen bei der Integration, was sich ändern muss, damit Mädchen und Frauen die gleichen Chancen haben und verrät, welche Frauen sie bewundert.

 

Was muss sich ändern, damit Mädchen und Frauen die gleichen Chancen haben wie Jungen und Männer?

Selen Gürler 209Selen Schaeffer:
„Allein die Einteilung in Mädchen und Jungen erschwert den Umgang miteinander in meinen Augen. Wenn wir es schaffen, von der geschlechtlichen Ebene weg zu gehen und uns erst einmal auf den Menschen auf die Person vor uns hinzubewegen, dann haben wir vielleicht weniger Vorurteile oder Erwartungen, wie eine Mädchen oder ein Junge zu sein haben. Mädchen können gut in Mathe sein, auf Bäume klettern und mutig vom 10-Meter-Turm springen. Jungen können musisch sein, Gedichte schreiben und empathisch auf ihr Gegenüber zugehen. Wichtig ist der Mensch dahinter, das Wesen, der Charakter, nicht das Geschlecht. Dennoch sollten Menschen auch nicht geschlechtslos werden, sondern ihre Natur ausleben dürfen. Erst wenn wir es authentisch schaffen, wir „selbst“ zu sein, ohne uns in irgendwelche Schubladen hineinpressen zu müssen, wird die Unterscheidung von Mann und Frau immer weniger werden.“

Was erleben Sie in Ihrer täglichen Arbeit?

S.S. „Jede Kultur lebt das Mann und Frausein anders aus. In jeder Kultur sind andere Eigenschaften wichtig und richtig. Solange ich meine Brille der Vorurteile nicht ablegen kann und jede Person erst einmal als einen Menschen sehe, mit identischen Rechten (und auch Pflichten), schaffe ich es nicht heraus aus der Erwartungsspirale.“

  

Welche Rolle spielen Frauen bei der Integration?

 S.S. „Frauen sind der Mittelpunkt der Familie und der Motor eines gesellschaftlichen Zusammenseins. Sie geben Leben, nicht nur biologisch, sondern auch sozial. Es ist die Frau, die ein Heim einrichtet, sich um die Kinder kümmert und an die Geburtstagsgeschenke der Verwandten. Sie ruft an, um „gute Besserung“ zu wünschen, wenn jemand krank ist, sie backt den Kuchen für den Kindergarten. Die sozialen Kontakte einer Familie laufen meist über die Frau. Das bedeutet jedoch nicht, dass er Mann gar nichts tut, sondern nur, dass er es „anders“ tut. Und nur weil ich als Frau auf diese sozialen Themen achte, kann ich dennoch auf eigenen Beinen stehen, arbeiten gehen und mich weiter fortbilden. Das eine schließt das andere nicht aus. Doch aufgrund dieser Tatsache, können auch mehr Aufgaben auf meinen Schultern lasten, wenn ich in einem klassischen Rollenmodell lebe – auch das liegt an der Frau und ist ihre Verantwortung. Nur wenn ein Kind mit einer glücklichen Mutter aufwächst, hat es eher eine Chance zu sehen und zu lernen, was glücklich sein bedeutet. Denn in erster Linie trägt die Frau die Verantwortung für ihr Glücklichsein ganz allein, doch es hat Auswirkungen auf das gesamte soziale Leben.“

 

Welchen besonderen Herausforderungen müssen sich Frauen stellen?

S.S. „Herauszufinden, was sie unter Frausein verstehen und ihre Rolle dementsprechend für sich definieren – unabhängig ihrer Herkunft, Erziehung und Kultur. Manchmal kann die eigene Definition widersprechen, denn ist die legitim und richtig. Für sich selbst herauszufinden, was man ist und wie man sein möchte, sehe ich als eine der größten Herausforderungen. Danach zu leben ebenfalls. Denn das kann bedeuten, dass man manchmal gegen den Strom schwimmen muss und seine eigenen Werte vor den anderen verteidigen. Doch wenn man dies geschafft hat, gehört Deutschland zu den Ländern, in denen man seine Freiheiten (fast alle) ungehindert ausleben oder leben kann. Es liegt an einem selbst sich dieses entsprechende Lebensumfeld „als Frau“ zu erschaffen.“

Diakonie Hasenbergl e.V.
Stanigplatz 10, 80933 München
info@diakonie-hasenbergl.de
Telefon: 089 - 314 001 0
Telefax: 089 - 314 001 69

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