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28. Januar 2019 | Diakonie Hasenbergl zum Europäischen Datenschutz-Tag am 28.01.2019

Meldungen

Datenschutztag 209Vor einer Zeit ging die Meldung von gehakten und veröffentlichten Telefondaten durch die Medien. Eines von vielen Beispielen, in denen uns bewusst wird, dass der Datenschutz immer wichtiger wird. Tatsächlich hat der Schutz der personenbezogenen Daten eine lange Geschichte in Deutschland. Vor 38 Jahren schon, am 28. Januar 1981, vereinten die damaligen Mitgliedstaaten des Europarats die „Europäische Datenschutzkonvention“, ein „Übereinkommen zum Schutz des Menschen bei der automatischen Verarbeitung personenbezogener Daten (Konvention Nr. 108)“. (Weitere Informationen dazu gibt es bei Wikipedia). Am 1. Oktober 1985 trat die Konvention in Kraft, seit 2007 wird mit dem Europäischen Datenschutztag am 28. Januar auf die Bedeutung des Datenschutzes aufmerksam gemacht. Denn: Jeder Mensch darf – und das ist auch im Grundgesetz abgesichert - selbst darüber entscheiden, wem welche seiner persönlichen Daten zu welchem Zeitpunkt zugänglich sein sollen oder eben nicht.

Das Thema „Datenschutz“ geht auch nicht spurlos an der Diakonie Hasenbergl vorbei. Zum Europäischen Datenschutz-Tag am 28.01.2019 haben wir uns bei den Mitarbeitenden umgehört und gefragt: „In wie weit beeinflusst der Datenschutz Ihre Arbeit? Was müssen Sie im Zusammenhang mit Datenschutz beachten? Wo hilft oder auch beeinträchtigt der Datenschutz Ihre Arbeit?“

 

Carla Singer, Gerontopsychiatrischer Dienst:
„Die Datenschutz-Bürokratie erschwert gerade psychisch kranken Menschen oder Migrantinnen und Migranten den Zugang zu notwendigen Hilfen, in dem sie die Niederschwelligkeit untergräbt. Hier müssen seitens der Politik praktikable Lösungen gefunden werden, damit der gut gemeinte Schutz des Individuums nicht zur Benachteiligung vulnerabler Gruppen führt.“

Elisabeth Kachel, Offener Kindertreff Nordhaide:
„Der Datenschutz schränkt uns in der Dokumentation unserer pädagogischen Arbeit ein. Da wir eine offene Einrichtung sind, kommen teilweise Kinder, deren Eltern noch keine Einverständniserklärung abgegeben haben, dass wir Fotos von den Kindern machen dürfen. Deswegen können wir bestimmte Projekte nur eingeschränkt dokumentieren.“

Gabriele Weingart-Körner, Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle:
„Für uns ist der Datenschutz schon seit langem ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal unserer Arbeit. In dem wir die Daten unserer Klienten/-innen absolut vertraulich behandeln, schaffen wir einen verschwiegenen Raum, der es den Klienten/-innen ermöglicht, sich vertrauensvoll zu öffnen.“

Gudrun Zajicek, Sozialpsychiatrischer Dienst München Nord:
„Der Datenschutz verpflichtet uns, mit den sensiblen Informationen unser Klientinnen und Klienten vertrauensvoll umzugehen. Auch ist es besonders wichtig und vertrauensbildend, schon im Erstkontakt zu signalisieren, dass wir Schweigepflicht und Datenschutz sehr ernst nehmen. Bei Anfragen anderer Stellen, ob eine bestimmte Klientin oder Klient bei uns in Beratung ist, dürfen wir z.B. keine Auskunft geben, ohne vorher die Zustimmung hierzu eingeholt zu haben. Wir signalisieren damit ein Bewusstsein, dass jeder Mensch das Recht auf eine unvoreingenommene Beratung hat.“

Jessica Vogel, Nachbarschaftsbüro Nordhaide:
Der Datenschutz ist ein hervorragendes Achtsamkeitstraining.
Sich zu überlegen wann, wofür, wie lange und in welcher Form ich Daten erhebe, speichere und wann und wie sie wieder gelöscht werden. Und auch umgekehrt ein Auge darauf zu haben, was mit meinen eigenen Daten geschieht. Der Datenschutz ist in unserer schnelllebigen Gesellschaft eine Möglichkeit, sich über all dies mehr Gedanken zu machen und nicht einfach auf die Schnelle und routiniert alles „anzuklicken und zu bestätigen“. Er gibt uns auch die Gelegenheit abzuwägen, auszumisten, bewusster wahrzunehmen, eben einfach achtsamer zu sein.“

Norbert Menz, JAL – Beratung für Jugendliche:
„Im persönlichen Gespräch mit unseren Klientinnen und Klienten erhalte ich viele – häufig sehr persönliche – Informationen. Da geht es zum einen um persönliche Daten: Name, Adresse, Kontaktdaten, Alter, Herkunft, Religion usw. Aber auch um Schulabschlüsse, berufliche Werdegänge oder Zeiten von Arbeitslosigkeit, beruflicher Orientierung, Krankheit usw. Das heißt für mich, mit den Daten besonders sorgfältig umzugehen. Es bedeutet auch, die Klientinnen und Klienten zu informieren, warum ich die Daten erhebe und was ich damit mache. Außerdem ist es sinnvoll, zu überlegen, welche Daten ich überhaupt wo und warum angeben muss und dass wir alle sensibler mit unseren eigenen, wie auch mit den Daten der Klientinnen und Klienten umgehen.“

Ralf Maushake, Senioren-Pavillon:
„Datenschutz erfordert einen höheren Zeitaufwand und macht die Beratung sowie die Vernetzung mit anderen schwieriger. Vor allem die Seniorinnen und Senioren haben oft Schwierigkeiten im Umgang mit Formularen. Auch bei der Büroausstattung mussten wir einiges ändern, da nun abschließbare Schränke gefordert waren.
Wenn wir aufgrund des Datenschutzes keine Geburtstagsliste mehr führen dürfen oder keine Bilder und Videos von Veranstaltungen machen dürften, fragen wir uns schon: Werden wir unpersönlich?“

Sarah Ehrenstein und Sigrid Möbs, Quartiersentwicklung Lerchenauer See:
„Um die Angebote hier am See vor allem für ältere Bewohner attraktiver zu gestalten, bauen wir eine lokale Ehrenamtsbörse auf.
Die Menschen, die bisher ihre Hilfe angeboten haben, sind mit den Daten ziemlich unbedarft umgegangen. Das mag daran liegen, dass „die Kirche“ trotz aller Skandale immer noch für Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit steht. Als Mitarbeiterinnen sind wir froh, dass wir in Orgavision eine Menge Information erhalten, in welcher Art wir mit den Daten unserer Freiwillig Engagierten umgehen müssen. Noch mehr freuen wir uns, wenn wir eine Software erhalten, in der „Zettelwirtschaft“ gar kein Thema mehr sein kann.“

Wolfgang Rudolph, Mitarbeitendenvertretung:
„Im Zusammenhang mit der Verabschiedung der Europäischen Datenschutzgrundverordnung ist in der evangelischen Kirche aufgefallen, dass die MAVen in Bezug auf die richtige Umsetzung des Datenschutzes nicht dem betrieblichen Datenschutzkonzept unterliegen, vielmehr selber auf die Einhaltung des Datenschutzes im Rahmen ihrer Tätigkeit achten müssen … und damit dies aber nun auch allen klar ist, wurde nun flugs eine entsprechende Regelung in das Mitarbeitervertretungsgesetz aufgenommen.“

Philipp Blümle, Junge Arbeit Neuperlach:
„Durch den Datenschutz ergibt sich durchaus auch eine positive Auswirkung in der Kommunikationskultur. Aus Datenschutzgründen müssen E-Mails mit dem Jobcenter verschlüsselt versendet werden. Dies führt dazu, dass man eher anruft und persönlich Themen bespricht, was wiederum zu einem besseren Verhältnis und besseren Austausch zu den Jobcenter-Mitarbeitern führt.“

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