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5. Oktober 2016 | Imraan – vom Flüchtling zum ehrenamtlichen Helfer in der Diakonie Hasenbergl

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DSC 0003 209Dieser Artikel ist geschrieben von einem jugendlichen Flüchtling aus dem Begleiteten Wohnen der Zentralen Inobhutnahme der Diakonie Hasenbergl, der die Pädagogen immer wieder unterstützt und mit seiner guten Integrationsfähigkeit unseren Jugendlichen immer ein wichtiger Ansprechpartner und ein Vorbild war. Zudem dolmetscht er inzwischen ehrenamtlich in unseren Gruppenstunden. Es wird darum gebeten, bezüglich Rechtschreibfehlern nachsichtig zu sein.

„Am ersten Tag meiner Arbeits war ich sehr gespannt darauf, was mich in der Einrichtung (zur Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen) erwarten würde. ich fühlte mich etwas unsicher in ein völlig fremdes Haus hineinzuspazieren und nun konkret auf Leute einzugehen. Denn was genau sollte das überhaupt bedeuten? Komme ich wirklich dazu mit den Leuten zu reden, kann ich ihnen tatsächlich mit meiner Anwesenheit helfen oder bin ich bloß eine Last?

Nach kurzer Zeit war ich totall überrascht. Es herrschte ein sehr angenehmes, freunliches Arbeitsklima, das Team duzte sich untereinander, sie nahmen mich direkt als vollwertiges Mitglied ihrer Gemeinschaft auf und außer zwischen Betreuern und der Verwaltung / dem Heimleiter war die Hierarchie nicht zu spüren. Auch zwischen Jungendlichen und Betreuern war der Umgang stets überaus freunlich und höflich. Erschreckend an der ganzen Sache fand ich, dass die Jungendliche teilweise das Personal fast wie eine Familie ansehen, da ihre eigene inzwischen schon verstorben ist.

Damit war zugleich der Grundstein für eine wunderbare Zeit gelegt, die ich niemals vergessen werden. Eine Zeit, in der ich erfahren habe, wie einfach es sein kann, ehrlich und freundlich miteinander umzugehen, sich gegenseitig zu unterstützen, soweit es möglich ist und vor allem, sich über "Kleinigkeiten" zu freuen. Jeden Tag aufs Neue stellte ich dort fest, wie man Leuten helfen kann, selbst wenn es „nur“ seine eigene Anwesenheit ist. Gerade das ist wahrscheinlich das größte und schönste Geschenk, das man jemandem überhaupt schenken kann: Zeit. Zeit sich mit ihm zu unterhalten, zuzuhören und einfach da zu sein. Mir waren Menschen begegnet, die bereit waren, alle anderen als Freunde in ihr Herz zu schließen und die Feindseligkeit nicht kannten.

Meine Aufgaben habe ich mir quasi selbst ausgesucht, da mir keine Vorgaben gemacht wurden. So sehr mich diese Situation verunsichert hatte, so wurde mir allerdings schnell klar, dass Vorschriften, trotz der unterschiedlichsten Arbeitsaufträge, die sich spontan ergaben, nicht notwendig waren. Der angenehmste Teil war für mich die Freizeitgestaltung in dieser Zeit. Wir haben viel zusammen unternommen, wie z.B. Eis essen, Bummeln in der Stadt, Fußballspielen, zusammen Kochen usw.

Ein wichtiger Aspekt war Geduld! Insgesamt habe ich in dieser Zeit erkannt, dass eine solche Einrichtung wesentlich mehr als nur eine Unterkunft ist. Für die Menschen, die dort leben, ist es eine Lebensgemeinschaft, wie eine Familie. Man geht freundlich und respektvoll miteinander um, sagt sich jedoch auch ehrlich die Meinung, selbst wenn es zu Streitereien führt, auch das gehört zum Umgang mit Menschen.

Das waren nun ein paar grundlegende Erfahrungen, die ich während meiner Arbeitszeit gemacht habe. Doch es gibt noch viel mehr, was ich gar nicht alles aufschreiben kann. Abgesehen davon, dass es viel zu lange dauern würde, könnte doch niemand, der nicht schon ähnliche Erfahrungen gemacht hat, verstehen, wovon ich rede. Diese Erfahrungen muss jeder selbst machen! Die Belohnung kommt danach, wenn dich mehrere liebenswürdige Menschen nicht mehr loslassen wollen und dich bitten, wiederzukommen. Dann belächelst du noch deine Hemmungen, die du tatsächlich einmal gehabt hattest und denkst daran, wieviele Menschen du in solch kurzer Zeit lieb gewonnen hast und zugleich, wie bedeutend du selbst für diese Menschen geworden bist."

Imraan

Diakonie Hasenbergl e.V.
Stanigplatz 10, 80933 München
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Telefon: 089 - 314 001 0
Telefax: 089 - 314 001 69

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