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16. Juni 2016 | „Schaut mal, was ich habe gefunden!“

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Geldbörse 209Flüchtlinge seien besonders kriminell, wollen sich nicht anpassen und nur Sozialhilfe kassieren.

Das ist leider das Denken mancher Menschen.

Vorverurteilungen und Stereotypen gehören zum Alltag, schleichen sich langsam in unser „westliches Denken“ ein, werden zu Teilwahrheiten. Ich habe gehört, dass … man hat mir erzählt, dass … Wir möchten Ihnen die Geschichte von Masud erzählen, in der Hoffnung, dass diese Geschichte auch weiter erzählt wird.

Masud K. ist ein großer schlaksiger Junge mit offenem Gesicht. Er ist 17 Jahre alt und kommt aus Afghanistan. Er hat seine beiden Eltern bei einem Bombenanschlag verloren. „Schaut mal, was ich habe gefunden!“ Mit diesen Worten und einer dicken Brieftasche in der Hand kam Masud K. am Freitagabend aufgeregt ins Büro einer Inobhutnahmestelle der Diakonie Hasenbergl e.V. Als die Betreuer des unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings die Brieftasche öffneten, staunten sie nicht schlecht. Neben etlichen Kreditkarten und dem Personalausweis fanden sich auch an die 200 Euro im Geldfach.

Masud K. hatte die Brieftasche im Luitpoldpark gefunden und wollte sie zurückgeben. „Aber keine Polizei bitte. Sonst sie vielleicht glauben, ich bin Dieb“, betonte er ängstlich. Anhand der Visitenkarte in der Brieftasche rief einer der Betreuer den Besitzer der Brieftasche an, allerdings war es die Geschäftsnummer und am Freitagabend sprang nur die Mailbox an. Wir hinterließen eine Nachricht auf Band.

20 Minuten – kaum zu glauben, der Besitzer der Brieftasche erscheint in unserem Büro! Er hatte seine Mailbox abgehört. Überglücklich nahm er seine Brieftasche aus den Händen des ehrlichen Finders entgegen. Sie war dem Mann, einem jungen Vater, beim Schunkeln des schreienden Babys im Park aus der Jackentasche gefallen. Masud wollte den Finderlohn erst nicht annehmen. Mit dem Satz „Ist doch normal so etwas zurückgeben. Ohne Geld!“, lehnte er ab. Erst nach gutem Zureden durch die Betreuer und den Besitzer nahm der junge Afghane den Finderlohn entgegen und konnte sich schließlich mit einem strahlenden Lächeln an der ganzen Aktion mitfreuen.

Diese Geschichte hat uns kein Nachbar erzählt. Wir waren dabei.

Anne Duflos und Tatiana Pongratz,

Betreuerinnen einer Inobhutnahmestelle der Diakonie Hasenbergl

Diakonie Hasenbergl e.V.
Stanigplatz 10, 80933 München
info@diakonie-hasenbergl.de
Telefon: 089 - 314 001 0
Telefax: 089 - 314 001 69

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