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1. Februar 2016 | Du hast keine Chance – also nutze sie - Michael Stenger zu Gast bei „Bildung in der Aula“

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Vortrag Michael Stenger 209Michael Stenger, Gründer der SchlaU-Schule in München, fordert eine bessere schulische Unterstützung sowie Vorbereitung auf die Arbeitswelt von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF). Im Rahmen der Vortragsreihe „Bildung in der Aula“ der Diakonie Hasenbergl gab er am Donnerstag Hinweise im Umgang mit kulturellen Unterschieden sowie einen Einblick in das Konzept der SchlaU-Schule in München.

An den Schulen SchlaU und ISuS in München werden rund 300 junge Flüchtlinge analog zum Kernfächerkanon der bayerischen Mittelschulen in bis zu 20 Klassen unterrichtet und zum Schulabschluss geführt. „SchlaU“ steht für Schulanaloger Unterricht. Die Schule richtet sich an junge Flüchtlinge zwischen 16 und 25 Jahren. Ein Netzwerk aus Lehrkräften, Sozialpädagogen, Psychologen, Anwälten und Freiwilligen befähigt SchlaU-Schüler, junge Asylbewerber aus aller Welt, nicht nur in zwei Jahren Deutsch zu lernen, sondern in der gleichen Zeit auch einen berufsqualifizierenden Schulabschluss zu erreichen. Die Jugendlichen sind hochmotiviert und dankbar für eine solche Chance. Seit Jahren bestehen über 95 % der Jugendlichen bei einer externen Prüfung an staatlichen bayrischen Hauptschulen ihren Abschluss.

Doch nach der Schule beginnen die Probleme, etwa in der Lehre, führt Stenger weiter aus. „Aufgets, um fümfe ist zamramma“ – das geht es schon beim Dialekt los. Die Heranwachsenden trauen sich oft nicht sagen, wenn sie etwas aus sprachlichen Gründen nicht verstanden haben.
Und: in der deutschen Kultur ist es ein Zeichen von gegenseitigem Respekt, dass man pünktlich zur Arbeit erscheint. Arbeitsbeginn ist zwar um 8.00 Uhr, anwesend ist man aber selbstverständlich schon vorher. Dass zu spät kommen immer einen faden, respektlosen Beigeschmack hat, spüren die Jugendlichen nicht - für sie sind es einfach nur unbedeutende 5 Minuten später.

Den jungen Flüchtlingen werden in der SchlaU-Schule neben dem regulären Schulalltag die Notwendigkeit von arbeitsmarktwichtigen Fähigkeiten vermittelt, um im Beruf bestehen zu können. Des Weiteren sei es auch wichtig, Themen wie Genderbewusstsein, Konfliktmanagement und interkulturellen Respekt zu vermitteln – dies sei schon immer in den Schulalltag mit eingeflossen, auch schon längst vor den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln.

Insgesamt sei die stark gestiegene Flüchtlingszahl keine große Überraschung gewesen. Immer mehr Schutzsuchende kamen im vergangenen Jahrzehnt in Richtung Europa. „Da fehlte nur noch das letzte Zünglein an der Waage“, so Stenger – „und das kam dann mit dem Krieg in Syrien“. Und es werde weiterhin mit vielen Flüchtlingen zu rechnen sein, denn die Krisen werden nicht weniger. Der Bau von Zäunen und das Schaffen von Grenzen um Europa würden abermals die politische Lage in Ländern wie Syrien oder Afghanistan beeinflussen und neue Krisen schaffen - welche abermals zu Fluchtbewegungen führen. Die Diskussion um Zäune oder die Schuldzuweisungen an Griechenland durch Politiker habe laut Stenger nur einen Zweck: die nach rechts gerückte Gesellschaft zu beruhigen.

Ähnlich sieht dies auch Dr. Edith Wölfl. Sie ist Bildungsbeauftrage der Diakonie Hasenbergl und Leitung des Arbeitskreises „Bildung in der Aula“. „Wieso sollten sich Flüchtende von Zäunen aufhalten lassen, wenn sie nicht einmal ein Meer aufhalten kann?“. Zäune und Barrikaden sind keine Lösung – sie verhindern sogar das Finden von Lösungen. So müsse man die Fluchtursachen in gefährdeten Gebieten wir bekämpfen und hier in Deutschland aus Rückschlägen lernen. Etwa, indem wir die richtigen Konsequenzen aus Köln ziehen und Integrationskonzepte stetig weiter entwickeln. „Denn aufhalten können wir die Flüchtlinge nicht, aber wir können handeln“ so Wölfl.

Rund 60 Mitarbeitende des Vereins Diakonie Hasenbergl wollten sich den Vortrag von Michael Stenger nicht entgehen lassen. Dieser fand im Rahmen von „Bildung in der Aula“ statt, eine für Mitarbeitende kostenlose Vortragsreihe im Verein Diakonie Hasenbergl.

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