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21. Oktober 2014 | Kultur des Willkommens in der Jungen Arbeit

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„Das was sie durchgemacht hat, möchte ich nicht erlebt haben" sagt der 22-jährige Lawson-Kpeze Latevi und meint dabei seine eigene Mutter. Sie flüchtete vor 15 Jahren von Togo nach Deutschland, schlug sich durch. Als sie einigermaßen Fuß gefasst hatte, holte sie den damals 7-jährigen Lawson-Kpeze und seine Schwester zu sich. Was dann folgte, lässt so manchen Flüchtlingskritiker hellhörig werden: Der junge Mann wurde kriminell, kam sogar ins Gefängnis. Die Gewöhnung an Deutschland war eine schwierige Zeit, doch heute ist der junge Mann kaum wieder zu erkennen: er spricht perfekt deutsch, ist offen und freundlich – und startet nun sogar eine Ausbildung. Und das trotz Eintrag ins Führungszeugnis.

Diese Möglichkeit bekommt er in der Einrichtung Junge Arbeit des Vereins Diakonie Hasenbergl. In drei Jahren wird er sich hier zum Siebdrucker ausbilden lassen. Das Aufgabengebiet: von der Folienbeklebung fürs Auto bis hin zum Druck von Geschenkpapier oder Flyern. Beim 30-jährigen Jubiläum der Jungen Arbeit in dieser Woche präsentiert er stolz sein Können vor den Gästen: Und die kamen zahlreich, um der Jungen Arbeit zu gratulieren.

Junge Arbeit in der Schleißheimer Straße bietet 35 Ausbildungsplätze für junge Menschen von 16-27 Jahren mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf. Die Beschäftigten sind in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, haben keinen Abschluss – oder es fehlt Ihnen schlicht an Disziplin. Sie qualifizieren sich in den Bereichen Siebdruck, Malerei, Schreinerei und dem Projekt MAW-light in den Gewerken der Einrichtung -oder gehen über das Projekt afra direkt zu Arbeitgebern im Stadtgebiet. Grundlage hierfür ist das Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie die Berufsbezogene Jugendhilfe.

1000 junge Menschen konnten sich in den vergangenen 30 Jahren in der Einrichtung qualifizieren, die Erfolgsquote beim Sprung auf den Arbeitsmarkt ist mit rund 35% jährlich sehr hoch. Die, die es geschafft haben, können nun ihr Leben selbstbestimmt führen – „was zeigt, wie wichtig es ist, dass keiner am Rande der Gesellschaft steht" so der Bundestagsabgeordnete Florian Post.

Trotz dieser Erfolge steht es derzeit um die Junge Arbeit finanziell nicht sehr gut. Finanziert wird die Einrichtung über den Landeshaupt München Stadtjugendamt, Europäischer Sozialfond und dem Jobcenter. Doch es wird immer schwieriger, die Erlöse mit den beschäftigen Jugendlichen zu erwirtschaften. Und das wirkt sich spürbar auf die Finanzlage aus. So werden laut Betriebsleiter Frank Karlsen-Lasshof, die Problemlagen bei den Jugendlichen immer gravierender – die Betreuung wird zunehmend aufwendiger.

Der finanzielle Druck lässt die Mitarbeitenden jedoch nicht davon abbringen, eine „Willkommenskultur" zu leben. Junge Menschen fühlen sich hier – oft zum erst mal – angenommen. Dass dieses Konzept auch auf die Stadt München in Sachen Flüchtlingspolitik übertragen werden sollte – darin waren sich SPD-Stadtrat Christian Müller sowie CSU-Stadtrat Marian Offmann einig.

Ziel der berufsbezogenen Jugendhilfe für die Zukunft sollte laut Stefan Fischer sein, dass die Organe besser miteinander kooperieren. Durch Vernetzung könnten Gelder besser genutzt werden. Das würde nicht nur der Stadt zugute kommen, sondern vor allen den jungen Menschen den Start ins Berufsleben erleichtern.

Diakonie Hasenbergl e.V.
Stanigplatz 10, 80933 München
info@diakonie-hasenbergl.de
Telefon: 089 - 314 001 0
Telefax: 089 - 314 001 69

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