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30. Juni 2020 I Mittagstisch, Muffins und Bingo am Telefon

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Nach kreativen Angeboten im Lockdown starten im Juli wieder  die ersten Klein-Gruppenangebote des Senioren-Pavillon

DH Kulturgut E.Bohr733 psychosoziale Gespräche, telefonische Geburtstagsgratulationen und aufmunternde Briefe mit dem Angebot einer immerhin phantastischen Reise in die Zeit nach Corona. Seit Anfang Mai gibt es zusätzlich Lesungen und Bingo über Telefonkonferenz –Sigrid Bohr-Stieren und ihre Kolleg*innen im Senioren-Pavillon der Diakonie Hasenbergl haben sich einiges einfallen lassen, um den Kontakt mit „ihren“ Seniorinnen und Senioren in den vergangenen dreieinhalb Corona-Monaten zu halten und gleichzeitig verschiedene Anregungen gegen Langeweile und Einsamkeit übermittelt. Im Juli starten – natürlich konform zu den verordneten Infektionsschutzmaßnahmen - endlich wieder einige der beliebten Angebote in Kleingruppen. Zur Teilnahme ist eine vorherige Anmeldung dringend erforderlich.

Bingo via Telefonkonferenz? Das Gesellschaftsspiel war nur eine der willkommenen und phantasievollen Abwechslungen während der Zeit der Kontaktbeschränkungen. Wie viele soziale Institutionen auf der ganzen Welt, war auch der Betrieb im Senioren-Pavillon von einen auf den anderen Tag eingeschränkt, Gruppenangebote und Ausflugsfahrten bis auf Weiteres abgesagt: 14 Kultur-Gut Angebote, 4x Küchen der Welt und 6 Tagesfahrten, die Seniorenkreise im Senioren-Pavillon und dem Pfarrer-Steiner-Zentrum in der Riemerschmidstraße, Kurse wie Gymnastik, Handysprechstunde, Computer-Stammtisch, Gedächtnistraining, Singen und der sehr beliebte offene Cafè-Nachmittag fielen ersatzlos aus.

 

Lieferservice statt Mittagstisch, Muffins und telefonische Lesungen

Mehr als 5000 ältere Menschen aus dem Hasenbergl und den angrenzenden Stadtteilen besuchen jedes Jahr den Senioren-Pavillon und die dazugehörigen Einrichtungen. „Viele Seniorinnen und Senioren kommen täglich““, erzählt Sophia Zech, die den Senioren-Pavillon leitet. Den Kontakt zu allen Besucher*innen zu halten, war ein großer Wunsch und gleichzeitig eine große Herausforderung – für das gesamte Team. „Für viele unserer Gäste sind wir eine wichtige Anlaufstelle; im Senioren-Pavillon treffen sie auf andere ältere Menschen, sie sind nicht alleine. Mit unseren Angeboten unterstützen wir, dass die Senior*innen gesund bleiben: vor den Corona-Einschränkungen haben alleine mehr als 20 Personen jeden Tag unseren Mittagstisch besucht. Gymnastikkurse oder das Gedächtnistraining sind ebenfalls wichtige Angebote, die gern besucht wurden“.

Die Mitarbeitenden der offenen Seniorenarbeit reagierten schnell auf die Lockdown-Maßnahmen und passten alle Angebote und Aktionen an die neuen Gegebenheiten an. „Da wir unsere Besucherinnen und Besucher nicht mehr zum gemeinsamen Mittagessen empfangen konnten, haben wir gemeinsam mit dem Stadtteilcafé einen Lieferservice ins Leben gerufen. So genossen die Senior*innen nicht nur jeden Wochentag eine frisch gekochte warme Mahlzeit, sondern hatten auch zu Mitarbeitenden der Diakonie Hasenbergl Kontakt und konnten mit Abstand an der Wohnungstür wenigstens ein kurzes persönliches Gespräch führen“, erzählt die Sozialpädagogin. Viele Hände halfen zusammen, damit der Lieferservice schnell umgesetzt werden konnte: „Freiwillig engagierte Mitarbeitende der Nachbarschaftshilfe haben für unsere Senior*innen eingekauft und kleine Erledigungen ausgeführt, einige Kolleg*innen aus unseren Kindertageseinrichtungen haben das Essen ausgefahren. Dieses Engagement hat mich persönlich sehr beeindruckt“. Die Kinder und Jugendlichen der DiNo-Kids sorgten mit ihrer „Glückspost“-Aktion für eine willkommene Abwechslung und den notwendigen seelischen Zuspruch: die DiNo-Kids schickten den älteren Menschen im Stadtteil Briefe, Gemaltes oder Gedichte. „Aus einer Glückspost hat sich sogar eine nette Brieffreundschaft entwickelt, die noch immer anhält“. Um den Senior*innen den Nachmittag zu versüßen und eine Auszeit vom Corona-Alltag und der sozialen Isolation zu ermöglichen, hat das gesamte Team Muffins gebacken. „Diese kleinen persönlichen Gesten und der regelmäßige Kontakt waren und sind für unsere Senior*innen sehr wichtig“, erklärt Sophia Zech.

„Wir haben in den vergangenen dreieinhalb Monaten 733 psychosoziale Gespräche geführt, allen Senior*innen, die in der Zeit Geburtstag hatten, haben wir telefonisch gratuliert. Noch vor Ostern haben alle einen Brief mit verschiedenen Unterstützungsangeboten auch durch andere Anbieter und einen aufmunternden Brief mit einer Zeitreise in die Zeit nach der Kontaktsperre erhalten. Senior*innen mit Mailadresse bekamen auch regelmäßig eine humorvolle Mail“, ergänzt Sigrid Bohr-Stieren. Bei akutem und konkreten Hilfebedarf wurden die telefonischen Anfragen direkt an Kolleg*innen des betreffenden Fachbereichs oder andere passende Stellen vermittelt. „Die Senior*innen haben die sozialen Kontakte und die Angebote sehr vermisst. Viele erzählten, sie fühlten sich einsam, einige hatten auch Angst. Sie freuen sich nun sehr, dass wir dabei sind, schrittweise unsere Angebote wieder zu aktivieren, können es kaum erwarten. Viele Senior*innen waren aber auch erstaunt und begeistert, was sich plötzlich in ihrer Nachbarschaft für Unterstützungsangebote aufgetan haben, auch von Menschen, mit denen sie seit Jahren im selben Haus wohnen und noch nie Kontakt hatten“.

Neben Vorträgen und dem literarischen Nachmittag im Senioren-Pavillon, an denen bis zur 16 Personen teilnehmen können, beginnen im Juli zunächst zweiwöchentlich am Freitag der PC-Stammtisch und dienstags für zwei Kleingruppen die Gymnastikstunden. Jeweils von 14.00 – 15.00 Uhr können sich jeden Mittwoch die Senior*innen wieder mit Abstand zur Kaffeerunde treffen. Zwar finden noch keine Tagesfahrten statt, dennoch dürfen sich die kulturbegeisterten Rentnerinnen und Rentner aus dem Hasenbergl auf die Fortsetzung der Kultur-Gut-Reihe freuen. „Kultur-Gut gibt’s schon fast sechs Jahre, es ist eine Bereicherung für den Alltag von Senior*innen, und vermittelt Kunst-  und Kulturgeschichte. München ist so voller großer und kleiner (Kunst)schätze und an jeder Ecke gibt es etwas Besonderes, Interessantes oder Kurioses zu entdecken. Die Museen bieten spannende Ausstellungen und die Kirchen in München sind oft versteckte Kleinode“.  Dass die Veranstaltungsreihe so gut ankommt, liegt sicherlich auch an der ansteckenden Begeisterung der Organisatorin. „Für nahezu alle Besichtigungen buche ich Führungen, da die der Gruppe optimal vermitteln können, was es Wissenswertes und zu sehen gibt. Manchmal ist es ein kleines Detail, an dem man schon seit Leben lang vorbei ging und es nie entdeckt hat. Außerdem macht es den Senior*innen Spaß, mit Gleichgesinnten etwas zu unternehmen“, erklärt Sigrid Bohr-Stieren. 

Allein im vergangenen Jahr haben 450 Seniorinnen und Senioren aus dem Münchner Norden, aus dem Hasenbergl, Milbertshofen und zunehmend auch aus der Siedlung am Lerchenauer See, an den kulturellen Entdeckungsreisen durch München teilgenommen.

Schnell sein lohnt sich – begrenzte Teilnehmendenzahl

Für jede der Veranstaltungen im Juli heißt es schnell sein, denn aufgrund der Infektionsschutzmaßnahmen können zu jedem Veranstaltungstermin nur maximal 16 Personen in Doppelbelegung teilnehmen. Das Konzept wurde an die vorgeschriebenen Maßnahmen angepasst, dem gesamten Team der Seniorenarbeit liegt die Einhaltung des Hygienekonzepts am Herzen. „Wir wollen, dass unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesund bleiben. Deshalb stehen im Juli zum Beispiel ausschließlich Führungen im Freien auf dem Programm. Bei allen Führungen kommt der Audio-Guide zum Einsatz, denn dabei kann der Mindestabstand problemlos eingehalten werden. Während für Fahrten mit dem MVV allgemeine Maskenpflicht besteht, steht es den Teilnehmenden während der Führung grundsätzlich frei, ob sie sich mit einem Mund-Nasenschutz schützen möchten. Wir empfehlen aber das Tragen von Masken, wenn z.B. beim Gehen von einer Station zur nächsten ein Abstand nicht immer eingehalten werden kann (bei engen Bürgersteigen u.ä.)“, informiert Sigrid Bohr-Stieren. Auch für die Veranstaltungen im Senioren-Pavillon oder im Park vor dem Gebäude gibt es ein ausgefeiltes Hygieneschutzkonzept, alle Veranstaltungen sind hinsichtlich der Teilnehmendenzahl begrenzt. 

Alle Veranstaltungstermine gibt es unter www.diakonie-hasenbergl.de/pavillon. Weiterführende Fragen und Anmeldung unter Telefon  089 370 644-34

Diakonie Hasenbergl e.V.
Stanigplatz 10, 80933 München
info@diakonie-hasenbergl.de
Telefon: 089 - 314 001 0
Telefax: 089 - 314 001 69

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