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28. Oktober 2019 | Mehrsprachiges Hilfsangebot als Türöffner

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PONTIS Freimann feiert am 30. Oktober 2019 von 14.00 – 16.00 Uhr offiziell Eröffnung

PONTIS Eröffnung DIN Lang Web page 0001Sie sprechen Arabisch, Türkisch, Deutsch, Tschechisch, Englisch, Französisch, Urdu, Hindi, Punjabi. Die fünf Mitarbeitenden von PONTIS Freimann helfen Menschen mit Migrationshintergrund, Sprachbarrieren zu überwinden und lotsen sie durch den Bürokratiedschungel in Deutschland. Sie haben ein offenes Ohr für die oft selbst erlebten Nöte und Unsicherheiten und helfen vor allem beim Verstehen und Ausfüllen von Anträgen und Formularen.

Seit Juli gibt es das neue Büro im Starenweg 54 im Stadtteil Schwabing-Freimann. Am 30. Oktober 2019 wird die Einrichtung nun feierlich eröffnet: von 14.00 – 16.00 Uhr wird gemeinsam mit Ehrengästen, Musik und einem internationalen Buffet gefeiert. 

„Unsere Zielgruppe sind Menschen mit Migrationserfahrung, die oft aus den unterschiedlichsten Gründen nach München gekommen sind. Sie alle brauchen Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen, weil sie den offiziellen Schriftverkehr nicht verstehen oder bearbeiten können“, informiert Stephanie Knott, die PONTIS Freimann leitet. In Anspruch nehmen können das Angebot Menschen, die in München  gemeldet, einen gültigen Aufenthaltstitel besitzen und im Stadtteil Schwabing-Freimann wohnen. „Menschen, die diese Kriterien nicht erfüllen, leiten wir in passende Unterstützungsangebote weiter“.

Seit Juli gibt es PONTIS nun in Freimann, eine Außensprechstunde von PONTIS Hasenbergl, das seit zehn Jahren erfolgreich läuft, war bereits vorher schon im Heidetreff in Kieferngarten untergebracht. Und noch immer herrscht großer Andrang während der Geschäftszeiten. Jede* sechste Bewohner*in des Stadtteils hat fremde Wurzeln, die Menschen in Schwabing Freimann kommen aus mehr als 60 Nationen.

Die Unsicherheit unter Migrant*innen ist groß und die Hilfestellung, die die Lots*innen anbieten, wird gerne angenommen.  Die Anliegen sind vielseitig, oft kommen die Hilfesuchenden mit mehreren Fragestellungen auf einmal. Besonders häufig unterstützen die PONTIS-Mitarbeitenden jedoch bei Anträgen für Erwerblose und Familien, beim Verstehen von Schriftverkehr und auch das Thema Wohnen spielt oft eine zentrale Rolle.

Das Verstehen und Ausfüllen offizieller Bescheide und Anträge ist häufig schon für Muttersprachler*innen eine Herausforderung. Für Menschen aus sozial benachteiligten Kontexten, anderen Herkunftsländern oder mit niedrigerer Schulbildung ist es besonders schwer, sich in unserem Antrags- und Formularsystem zurechtzufinden und Behördenbriefe zu verstehen. „Eine Antwort zu formulieren erscheint oft als unerreichbarer Meilenstein. Dies erklärt die hohe Nachfrage unseres Angebots“, weiß Knott und führt aus: „Unsere Lots*innen kennen die verschiedenen Communitys und leben teilweise selbst in den Vierteln, aus denen unsere Kund*innen kommen. Die Hemmschwelle, zu PONTIS zu kommen, ist dadurch wesentlich geringer. Auch unser mehrsprachiges Hilfsangebot in ist ein Türöffner für viele Menschen aus dem Stadtteil. Die Menschen kommen zunächst, um Hilfe mit ihren Formularen, Anträgen und Schriftverkehr zu erhalten – oft ist das für sie der erste Kontakt mit einer sozialen Einrichtung. Während des Gesprächs kommen oft schwerwiegendere Probleme zum Vorschein und die Lots*innen nutzen diesen Erstkontakt, um die Menschen an weiterführende Beratungsangebote im Münchner Hilfesystem weiterzuleiten. Dadurch erhalten mehr Menschen Zugang zu Beratungsangeboten, die sonst zum Unterstützungssystem keinen Zugang finden.“

Doch es ist nicht nur das Türöffnen in das Hilfesystem; nahezu unbeachtet bringen die Lots*innen wieder das Familiensystem ins Gleichgewicht, das häufig durch den Umzug nach Deutschland empfindlich gestört worden ist. „In vielen Familien mit Migrationserfahrung wird die Rolle der Formularhilfe und Antragstellung, sowie das Übersetzen und Verstehen von Briefen von den Kindern übernommen, da diese häufig besser Deutsch verstehen, als ihre Eltern. Die Kinder kommen zu offiziellen Gesprächen mit und nehmen in der Familie dadurch eine Rolle ein, die das gesamte Familiensystem durcheinanderbringt. Einerseits haben sie dadurch oft mehr Verantwortung, als es ihrem Alter und ihrer Rolle als Kind entspräche, andererseits wird ihnen auch die Schuld für mögliche Fehler gegeben“, erklärt Stephanie Knott. Die Lots*innen werden regelmäßig von einer pädagogischen Fachkraft über Neuerungen und Änderungen im Antragswesen geschult, Fälle werden nachbesprochen und offene Fragen werden geklärt.  Durch das Angebot von PONTIS können sich die Rollenverhältnisse innerhalb vieler Familien wieder ordnen und die Kinder erfahren Entlastung.

Über das PONTIS Lotsenprojekt
Im Stadtteil Hasenbergl – Feldmoching ist PONTIS-Hasenbergl als erstes Lotsenprojekt bereits seit mehr als 10 Jahren etabliert und fest im Münchner Sozialsystem verankert. Die erfolgreiche Hilfestellung ist auch in anderen Stadtbezirken sehr gefragt. Lange Zeit gab es deshalb eine Außensprechstunde der Einrichtung im Heidetreff, seit 15. Juli 2019 beraten die Mitarbeitenden von PONTIS Freimann in einer eigenen Niederlassung in Starenweg 54 im Stadtteil Freimann.

PONTIS Freimann wird zunächst bis Oktober 2021 unterstützt von der Landeshauptstadt München und der SKala-Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten in Partnerschaft mit dem gemeinnützigen Analyse- und Beratungshaus PHINEO. SKala fördert etwa 100 gemeinnützige Organisationen mit insgesamt bis zu 100 Millionen Euro in den Bereichen Inklusion und Teilhabe, Engagement und Kompetenzförderung, Brücke zwischen den Generationen sowie Vergessene Krisen. Unterstützt werden ausschließlich Organisationen, die gegenüber PHINEO eine große soziale Wirkung nachgewiesen haben.

Diakonie Hasenbergl e.V.
Stanigplatz 10, 80933 München
info@diakonie-hasenbergl.de
Telefon: 089 - 314 001 0
Telefax: 089 - 314 001 69

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